So schmeckt Malinalco

In Deutschland bedeutet »mexikanische Küche« vor allem überbackene Enchiladas. Kaum jemand käme auf den Gedanken, dass das Gericht, das sich in diesem Alupäckchen verbirgt, eines der (vielen) Leib- und Magengerichte der Mexikaner sein könnte. Dabei kommt rund um Mexiko kein Ausflugsort ohne dieses Gericht aus. (Ein Textbruchstück, das es nicht ins Buch geschafft hat.)

Hinter den letzten Hütten biegen wir in einen Feldweg und gehen zwischen blühenden Gärten hindurch zu einer der wichtigsten Attraktionen des Ortes. Viele Ausflügler kommen nur deshalb aus Mexiko, Toluca und Cuernavaca nach Malinalco, und viele Pilger machen auf ihrer Wallfahrt in den Nachbarort Chalma nur deshalb einen Umweg über das Dorf. Wir sind auf der Suche nach der großen Spezialität von Malinalco: las truchas, den Forellen.

An einem großen Tor hängt eine Tafel, auf der man nachlesen kann, dass hier ein Schweizer namens Walter Rutes in den achtziger Jahren mit der Forellenzucht begonnen hat. Und weil die Mexikaner nichts lieber tun als essen, hat rund um seine Teiche ein Ausflugsrestaurant nach dem anderen eröffnet, die sich mit originellen Zubereitungen überbieten: Forelle gegrillt, geräuchert oder gedünstet, mit Spinat, Oliven oder Käse, a la Hawaiana, a la Poblana, oder a la Veracruzana, in Soße mit drei, fünf oder sieben Chilis. An den Wochenenden stehen die Autos bis auf die Landstraße.

Da wir an einem Wochentag kommen, ist nur ein einziges Gartenlokal geöffnet. Der Gourmettempel besteht aus einem Planendach, ein paar Plastiktischen, einem gemauerten Grill und einem handgemalten Schild mit der Aufschrift »Tlalocan« – das Paradies des Regengottes. Im Schatten der weit herunterhängenden Äste eines Pfefferbaums essen wir köstliche, mit ordentlich scharfen Chilischoten, Tomaten und Zwiebeln gedünstete Forellen und trinken Micheladas. Danach legen wir uns in Hängematten am Bach, sehen den Fröschen im Schilf zu und lassen uns vom leise murmelnden Bächlein einlullen.

»Hier könnt ich’s aushalten«, seufze ich und räkele mich in der Matte.

Eine ganze Weile lang sehe ich einem weißen Reiher zu, der am anderen Ufer reglos ins Wasser starrt, bis er urplötzlich zustößt, mit dem Kopf ruckt und sich ein zappelndes Fischchen in den Hals gleiten lässt.

trucha

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Und wer nun auch noch wissen möchte, wie Malinalco schmeckt, dem empfehle ich eine Forelle a la Veracruzana. Also.

Man nehme:

1 fangfrische Forelle, ausgenommen und gewaschen,
Tomatenwürfel nach gusto,
Oliven nach gusto,
Zwiebel nach gusto,
Knoblauch nach gusto,
eingelegte Chili nach gusto,

packe das Ganze in Alufolie und dünste es eine Viertelstunde in der Pfanne. Dazu reiche man

– Reis
– Beilagensalat aus Tomate, Gurke, ein paar Blättchen Salat, das Ganze beträufelt mit Limettensaft

und natürlich
– ein eisiges Bier

¡Buen provecho!

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Ein Kommentar

  1. Super Artikel, da bekommt man auch gleich Appetit! Beste Grüße aus der CDMX 🙂

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