Recht und Gerechtigkeit?

Im Süden von Malinalco liegt die Hacienda Jalmolonga, die Jahrhunderte lang die Bauern von Malinalco ausbeutete und ihnen das Land raubte. Heute ist sie einmal mehr Symbol der Ungleichheit und Ungerechtigkeit in Mexiko.

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Die Hacienda von Jalmolonga befand sich lange im Besitz der Jesuiten, die vor allem Zuckerrohr anbauten. Die Ordensmänner bauten eine gewaltige Zuckerfabrik auf und beschäftigten auf dem Höhepunkt rund 1000 afrikanische Sklaven. Nach der Vertreibung der Jesuiten aus Spanien und den Kolonien (1767) ging die Hacienda an private Unternehmer aus Mexiko-Stadt über.

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Die eigentliche Glanzzeit der Hacienda begann jedoch nach der Unabhängigkeit Mexikos im Jahr 1821. Die neuen Machthaber beseitigten die Beschränkungen der Zuckerproduktion genauso wie den Schutz der Indiodörfer. Die Hacienda breitete sich nun ungeniert sich immer weiter aus, indem sie das meist nicht im Grundbuch eingetragene Land der Dörfer einfach besetzte und dann mit Hilfe von Regierungstruppen verteidigte. Die Bauern von Malinalco wehrten sich zwar und verwiesen auf uralte Urkunden, die noch aus der Zeit vor der Ankunft der Spanier stammten, doch ohne Erfolg. Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Hacienda von Jalmolonga über 200 Quadratkilometer Land zusammengerafft.

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So wie den Malinalca ging es den Bauern in zahllosen anderen Dörfern Mexikos. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Proteste gegen die Ungerechtigkeit in eine Revolution umschlugen, griffen auch die Bauern von Malinalco zu den Waffen. Jalmolonga war ein Nebenschauplatz der »Revolution des Südens«, immer wieder wurde die Hacienda von den Truppen von Emiliano Zapata besetzt und musste Abgaben an die Revolutionäre zahlen. Erst anderthalb Jahrzehnte nach der Revolution, unter Präsident Lázaro Cárdenas, wurde das Versprechen der Landreform wahr gemacht: Die Hacienda wurde zerschlagen und das Land an die Dörfer zurückgegeben oder unter landlosen Bauern verteilt. Die Gebäude der Hacienda lagen danach lange in Ruinen, allein die Kapelle wurde von den Dorfbewohnern in Stand gehalten.

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Heute sind die einstigen Haciendas des Landes — auch die von Jalmolonga — wieder im Besitz der Reichsten der Reichen. Der Unterschied ist nur, dass sie heute als schicke Statussymbole und Wochenendresidenzen dienen. Oder alternativ als Hotels für eine aufstrebende Mittelschicht, die vom Wohlstand träumt. So sind sie einmal mehr Symbol einer geteilten Gesellschaft, deren eine Hälfte in Armut lebt und deren andere Hälfte sich für die vermeintlichen Segnungen der Konsumgesellschaft krumm macht, während beide effektiv von einer winzigen Schicht von geradezu pervers Reichen und ihren politischen Lakaien beherrscht werden. Und in neoliberalen Zeiten findet der Eigentümer von Jalmolonga — der Multimilliardär Ricardo Salinas Pliego — legale Tricks, um sich Teile des in der Revolution verteilten Gemeindelands anzueignen.

Die Geschichte wiederholt sich.

Fotos: Lighteam

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3 Kommentare

  1. Heidi sagt:

    Hallo Jürgen,
    Was für ein interessanter Artikel! Ich bin sehr angetan von deinen kurzen, kompakten Schilderungen, die helfen, das Große Ganze ein bisschen besser zu verstehen. Die aufstrebende Mittelschicht, die aus meiner Sicht extrem materialistisch ist, habe ich auch ein wenig kennen gelernt – Glück wird durch Konsum definiert. Die konsumstarken jungen Mexikaner quartieren sich in schicken Hotels ein und staunen über die „reichen“ europäischen Backpacker mit ihren Hostels und löchrigen Hosen 😉
    Liebe Grüße!

    1. Liebe Heidi, vielen Dank für deinen Kommentar! Bei dem „reich“ der Europäer würde ich die Anführungsstriche aber weglassen — auch wenn es manchmal an Barem hapert, klappert uns doch der Wohlstand unserer Gesellschaft in der Tasche. Aber was anderes: Bist du denn noch in Mexiko? Ich hoffe, du veröffentlichst bald wieder einige von deinen schönen Fotos!

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